Frauen Power

Johanna von Orleans – Tochter Gottes

Posted on: Juli 23, 2008

„Man muss sich klarmachen, wie großartig und einmalig das ist: Seit
es eine Geschichtsschreibung gibt, hat Jeanne d’ Arc als einziger Mensch, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, im Alter von 17 Jahren die oberste Befehlsgewalt über die militärischen Streitkräfte einer ganzen Nation gehabt*.“
Lajos Kossuth

„Von Jeanne konnte man ganz richtig sagen, dass sie nicht Wunder gewirkt hat, sondern selbst ein Wunder war“.
Régine Pernoud, Historikerin

Sie war eine ganz andere Heilige, als man es in der Vergangenheit gewohnt war. Man nannte sie später „Johanna von Orleans“.  Sie selbst nannte sich immer nur „Jeanne La Pucelle“ (Johanna die Jungfrau). Bekannter ist sie allerdings unter dem Namen „Jeanne d’ Arc“. Hat in der Gegenwart eine Frau Mutiges getan, so gibt ihr die Presse sehr oft diesen Namen, egal ob Präsidentschaftskandidatin oder Ministerin. Doch man kann mit ihr niemanden gleichsetzen. Ihre Gestalt  steht einsam im vergangenen Jahrtausend als eine unvergleichliche, gottgesandte Heldin. Ihr eigentlicher Name war offenbar „Jeanne Darc“, doch im Folgenden immer „Jeanne d’ Arc“oder einfach „Jeanne“.

 

Der Hundertjährige Krieg

 

Zweifellos ist diese kurze Vorgeschichte von großer Bedeutung, um das Auftreten von Jeanne d’ Arc zu verstehen. Dieser für Frankreich so verheerende Krieg mit England begann 1337. 1328 starb der französische König Karl IV.. Er war der letzte aus dem Hause der Kapetinger und ohne Thronfolger. Doch nach salischem Erbrecht bestieg nun sein Cousin, väterlicherseits, Philipp von Valois als Philipp VI., den Königsthron. Das Erbrecht schloss  jedoch weibliche Thronansprüche aus. Der englische König Eduard III. war mit Isabella, der Schwester des verstorbenen französischen Königs, verheiratet. Dennoch versuchte England nun aus dieser ehelichen Verbindung Thronansprüche abzuleiten. England hatte außerdem noch eine letzte, kontinentale Besitzung in Frankreich, die Guyenne mit der Weinhandelsstadt Bordeaux. Um die auf tönernen Füssen ruhenden Thronansprüche durchzusetzen, forderte Eduard III. Unterstützung von den niederländischen und deutschen Fürsten. Darauf besetzte Philipp IV. kurzerhand die Guyenne. Dadurch brach der sogenannte Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich aus. 1340 wurden die Franzosen in der Schlacht von Poitiers von den Briten vernichtend geschlagen. Darauf  erklärte sich Eduard III. zum König von Frankreich. In der Folgezeit wogte das Kriegsglück hin und her. Der nächste französische König, Karl V.,  eroberte alle verlorenen Landesteile wieder zurück. Doch dies änderte sich bald alles wieder unter seinem schwachsinnigen Nachfolger Karl VI., der Isabeau von Bayern geheiratet hatte. 1415 besiegten die Briten in der furchtbaren Schlacht von Acincourt  die Franzosen. Der größte Teil des französischen Adels blieb auf dem Schlachtfeld oder geriet in Gefangenschaft. 1418 bekam  Johann ohne Furcht von Burgund Paris durch Verrat in seine Hand. Im Kampf um die Macht ließ der Burgunderherzog, den Bruder des schwachsinnigen Königs, Philipp Herzog von Orleans, in Paris ermorden. Der regierungsunfähige König selbst  kam nach dieser Tat unter die Kontrolle von Burgund, das sich später auf die Seite Englands schlug. Der amtierende Dauphin (Thronfolger) Karl konnte, während der Thronwirren, in letzter Minute in Sicherheit gebracht werden.  Er hatte tatsächlich eine fürchterliche Jugend hinter sich. Sein wichtigster Ratgeber war der arglistige Duc  George de Trémouilles, der ein Agent Burgunds gewesen ist. Kein Wunder, wenn er bei wichtigen Entscheidungen oft zu lange zauderte, denn er traute nur noch wenigen. Bei einem späteren Treffen Johanns ohne Furcht mit dem arglosen Dauphin Karl VII. wurde der Herzog von Burgund von den rachsüchtigen Anhängern des ermordeten Herzogs von Orleans ebenfalls überraschend meuchlings umgebracht. Ob der Dauphin über das Komplott unterrichtet war oder nicht, ist umstritten, aber man gab ihm alle Schuld und er konnte seine Unschuld beteuern, so oft er wollte. Niemand wollte ihm glauben. Dennoch hatte der Himmel den Dauphin auserwählt König von Frankreich zu werden. Johanns Sohn und Nachfolger „Philipp der Gute“ von Burgund verbündete sich nach der Ermordung seines Vaters mit England und anerkennt den König von England auch als den rechtmäßigen König von Frankreich, obwohl das Herzogtum Burgund eigentlich zu Frankreich gehörte. Der Vertrag von Troyes (1420) bestätigte dem englischen König den angeblichen Anspruch auf Frankreichs Thron. Königin Isabeau erklärte, dass der amtierende Dauphin und spätere König Karl VII. kein legitimer Spross Karls VI. sei, was aber nicht den Tatsachen entsprach. Restfrankreich anerkannte den Dauphin trotzdem als legitimen Thronfolger. Die Herzoge von Burgund waren ebenso ein Zweig des Hauses Valois, wie die Herzoge von Orleans.

 

 

Das Erscheinen der Jungfrau von Orleans

 

Nachdem die Stadt Orléans 1428 von den englischen und burgundischen Truppen eingeschlossen war, schien das Ende Frankreichs besiegelt. Der französische Dauphin blieb untätig und es entstand das Gerücht „Er wolle fliehen oder ins Exil gehen“.  Ein Großteil des Landes war von den britischen Invasoren und den Burgundern besetzt. Das Land war verwüstet, überall lagen Trümmer, gesegnete Landstriche waren zu Einöden verkommen. Das Volk war verzweifelt und hoffte auf einen Retter. Doch da gab es eine Prophezeiung, dass ein Mädchen aus Lothringen dem Volke Befreiung bringen sollte. Und diese Voraussage sollte bald Wirklichkeit werden. Dieses sehr fromme Mädchen mit dem Namen Jeanne, geboren 1412, lebte bei ihren rechtschaffenen und angesehenen Eltern, Jacques und Isabelle Darc, im lothringischen Dorfe Domrémy an der Maas. Jeanne führte mit ihrer Mutter den Haushalt der Bauernfamilie und gelegentlich hütete sie wohl auch die Schafe. Johanna war in ihrem Heimatort sehr beliebt und galt als sehr fromm. Jeanne kannte durchaus auch die Gräuel des Krieges und pflegte selbstlos auch Verwundete. Wenn einer  in Not war, gab sie ihm, was sie hatte und wenn der Betreffende krank war, gab sie ihm ihr eigenes Bett, schlief auf dem Boden und versorgte ihn. Der Pfarrer von Roncessey, einer Nachbargemeinde von Domrémy, erklärte, dass der Pfarrer von Jeannes Heimatdorf, Guillaume Front, zu dessen Pfarrkinder Jeanne gehörte, über sie sagte, dass Jeanne, die Jungfrau, „ein einfaches, gutes, frommes Mädchen war, unbescholten und gottesfürchtig, wie es ihresgleichen in Domrémy nicht gab“ (Régine Pernoud 1992,106).

 

Mit 13 Jahren (1423) hatte Jeanne erstmals Visionen vom Erzengel Michael und den Heiligen Katharina (von Alexandria) und Margarete, die sie berieten, wie sie ihr Leben gestalten sollte. Sie legte vor ihnen das Gelöbnis ab, zeitlebens Jungfrau zu bleiben. Die Heiligen sagten ihr, dass Jeanne die Stadt Orleans für Frankreich befreien und den Dauphin in Reims, der alten Krönungsstadt, zum König krönen würde. Jeanne, Jeanette wurde sie von ihrer Familie genannt wurde, fürchtete sich sehr vor dem göttlichen Ansinnen.  Doch im  Laufe der Zeit  wusste sie, dass sie ihrem Schicksal nicht entrinnen konnte. Endlich war sie fest entschlossen, das zu tun, was Gott von ihr verlangte. 

 

Das Auftreten von Jeanne d’ Arc brachte die Wende im „Hundertjährigen Krieg“ zwischen Frankreich und England. Jeanne wusste zu gut, dass sie ihr Vater Jacques nie hätte ziehen lassen, wenn sie ihm das Vorhaben erzählt hätte. Ihr Vater träumte mehrfach, dass sie mit den Soldaten, wohl als Marketenderin, wegziehen würde und wollte ihr das verwehren, falls dies Realität werden sollte. Aber er hätte es sich nicht im Traum vorstellen können, dass seine Tochter an der Spitze eines Heeres in den Krieg gegen die Engländer ziehen würde. Zu Beginn ihrer Aufgabe wünschten die Heiligen, dass sie zur Festung Vaucouleur gehen sollte, um den Kommandanten Robert de Baudricourt zu sprechen, der sie dann zum Dauphin senden würde.

 

 

Nun bestürmte und flehte Jeanne ihren Onkel Durand Laxart an, sie nach Vaucouleur zu bringen. Vaucouleur lag an der Maas und war Hauptort der königlichen Burggrafschaft in der Champagne. Sie stand seit 1420 unter dem Befehl von Robert de Baudricourt, Hauptmann der Valois-Dynastie. Schließlich gab Jeannes Onkel nach und brachte sie, ohne Wissen der Eltern, nach Vaucouleur (Mai 1428). De Baudricourt, der Kommandant in der Festungsstadt Vaucouleur, wollte ihr anfangs keinen Glauben schenken, obwohl man die Prophezeiung kannte, dass eine Jungfrau aus Lothringen die Rettung Frankreichs bringen würde. Die Zeit verstrich. Inzwischen begannen viele Bürger in Vaucouleur an die Jungfrau zu glauben und der Herzog von Lothringen wollte sie sogar sehen und von ihr geheilt werden. Es ist heute noch ungeklärt, warum de Baudricourt plötzlich seine Meinung änderte, denn er schickte  nunmehr einen Boten mit Schreiben nach dem Schloß Chinon, wo der Dauphin damals weilte. In seinem Schreiben an den Dauphin wandte er alle Überredungskunst an, um den Dauphin von der Gottgesandten zu überzeugen, obwohl er eigentlich gar nicht so recht an Jeanne glaubte. Vielleicht ist es wirklich wahr, dass ihm Jeanne sagte, dass um Orleans eine furchtbare  Schlacht toben würde. Er erhielt die Bestätigung im Nachhinein.

 

La Trémoille, der verräterische, erste Berater, hatte immer versucht den Dauphin zu verderben, aber es gelang ihm nicht, denn im Grunde war der Dauphin ein guter Mensch, doch in der aussichtslosen Lage suchte er Vergessen und es mangelte ihm an  der erforderlichen Entschlusskraft. Tatsächlich aber ersehnte der Dauphin Göttliche Hilfe und  war oft im Gebet in der Hofkapelle.  Und so kam es, dass er nach dem Erhalt der Botschaft von de Baudricourt den Ritter Colet de Vienne mit einem entsprechenden Schreiben an de Baudricourt in Vaucouleur beorderte und ihm befahl die Jungfrau zu senden. Der bösartige Trémoille überschüttete ihn deswegen mit zornigem Spott. Natürlich kannte auch der Dauphin die Prophezeiung, dass eine Frau (seine Mutter Isabeau) Frankreich zerstören und  eine andere aus Lothringen das Reich retten würde.

 

Im Oktober 1428 hatte die Belagerung der Stadt Orleans an der Loire durch die Engländer und Burgunder begonnen (Krumeich 2006) und die Situation der belagerten Stadt wurde im Februar 1429 immer bedrohlicher. Tatsächlich fand dort auch eine große Schlacht statt, die sogenannte Heringsschlacht. Sie endete mit einer Niederlage der Franzosen. Bald darauf ist de Baudricourt bereit mit Jeanne zu sprechen. Auch ließ er jetzt Jeanne durch den Pfarrer in Vaucouleur prüfen, welcher sie für rein befand.

 

Gegen Mitte Februar 1429, nachdem der königliche Bote eingetroffen war, konnte Jeanne endlich mit einer kleinen Eskorte zu ihrem Dauphin abreisen. In ihrer Begleitung befanden sich 6 Männer, die Ritter Jean de Nouillonpont, genannt de Metz, der Jeanne auch zum Herzog von Lothringen begleitet hatte, Bertrand de Poulengey, Colet de Vienne, der Bote des Dauphins und drei Knechte. Man hatte Jeanne, auf eigenen Wunsch, in Vaucouleur Männerkleidung gegeben, ebenso bekam sie ein Pferd und ein Schwert von de Baudricourt. Die letzten, historisch bestätigten Worte de Baudricourts beim Abschied waren: „ Nun geh, und komme, was daraus kommen mag!“

 

Der Weg der Eskorte führte durch englisch-besetztes und burgundisches Gebiet. Auf dem Reiseweg bestand ständig die Gefahr von den Burgundern, Engländern oder marodierenden Banden überrascht zu werden. Aber Gott behütete sie und ihre Begleiter, trotzdem es schon Mitte Februar Gerüchte gab, dass „Johanna die Jungfrau“ Chinon nahte. Am 6. März sahen sie das Schloss in Chinon, wo der Dauphin residierte. Die Karte von 1429 zeigt, welchen gefährlichen Weg Jeanne und ihre Begleiter in Feindesland durchqueren mussten. Sie benötigten bis zum Schloss in Chinon, wo sich der Dauphin aufhielt, 11 Tage.

 

Um diese Zeit war auch Jeanne d’ Arc’s heimatliches Dorf  bereits unter Kontrolle von Burgund. Aus den Zeugenaussagen im Rehabilitationsprozess wissen wir, dass eine feindliche Abteilung die Reisegruppe mit Jeanne im Hinterhalt auflauerte. Aber als sie auf  die Jungfrau und ihre Begleiter stürzen wollten, konnten sie sich nicht bewegen (Schirmer-Imhoff 2001, 148f.). Nach 150 Orten, die sie berührten, schrieb Johanna einen Brief an den Dauphin und kündigte ihr Eintreffen an. Auch wolle sie ihn ohne Umschweife in seinem Hofstaat erkennen.

 

 

 

In Chinon und Poitiers

 

Zunächst zögerte der Dauphin das Mädchen anzuhören, was kaum verwunderlich war. Erst wurde im Kronrat noch darüber diskutiert. Der Dauphin war zu dieser Zeit gerade mal 26 Jahre alt. Er litt sehr unter der Behauptung, dass er nicht legitimer Abkunft sei. Er war ängstlich und oft sogar melancholisch. Erst in späteren Jahren wurde er ein kluger und umsichtiger Herrscher. Nach Jeannes eigener Aussage erfolgte die erste Begegnung im Fackel erleuchteten Saal des Schlosses in Anwesenheit von etwa 300 Edelleuten.  Bei dieser öffentlichen Audienz erkannte Jeanne den Dauphin, der sich versteckt hatte, nach dem Rat ihrer Heiligen.  Einer der Vertrauten des Dauphin, Raoul de Gaucourt, schilderte später wie sie sich dem Dauphin mit viel Demut und Bescheidenheit vorstellte. Sie nannte sich von da ab nur noch „Jeanne la Pucelle“ (Johanna die Jungfrau). Sie erklärte, dass sie der König des Himmels sende und sie in Seinem Auftrag Orleans entsetzen wolle und er danach in Reims gesalbt und zum König gekrönt würde. Nach verschiedenen Fragen sagte ihm Jeanne ostentativ, dass er der wahre Erbe Frankreichs und Sohn des Königs Karl VI. sei. Über die erste Begegnung gibt es viel Legendenhaftes, doch etwas scheint am Wahrscheinlichsten. Sie sagte ihm unter vier Augen etwas Geheimes, das nur Gott und er wussten. Sie habe ihm von 3 Bitten erzählt, die er in der Kapelle zu Loches an Gott gerichtet hatte. Dann ließ er sie im Schloß Coudray einquartieren und gab ihr den 15jährigen Louis de Contes als Pagen, was darauf hin deutet, dass er ihr mit Wohlwollen entgegen gekommen war. In den nächsten 3 Wochen hatte sie viele, neue Bekanntschaften mit einer Reihe von hochgestellten Persönlichkeiten, die sich näher über sie unterrichten wollten.

 

Bald danach gab der Dauphin Befehl, dass sie in Poitiers, Sitz einer Universität,  von hohen Geistlichen, Theologen, Juristen und königlichen Räten geprüft und examiniert  würde. Jeanne inzwischen müde von den vielen Befragungen musste sich jetzt nochmals all diesen Fragen stellen und war ungeduldig. Dieses Mal war sie keineswegs demütig, sondern schlagfertig und manchmal impulsiv. Einer der Examinatoren fragte sie: Wenn Gott das französische Volk retten wolle, warum würden dazu Soldaten benötigt? Jeanne entgegnete: „Die Soldaten würden kämpfen und Gott wird ihnen den Sieg schenken!“ Auch wurde sie aufgefordert, dass sie ein Wunder tun solle, damit man ihrer Göttliche Mission glauben könne. Darauf erklärte sie, dass sie nicht nach Poitiers gekommen sei, um Zeichen zu setzen. Man möge sie nach Orleans schicken, wo sich das Zeichen ereignen würde.

 

Der Dominikaner Seguin, der später ausführlich über die Befragungen in Poitiers berichtete, erklärte, dass sie 4 Ereignisse prophezeite: 1. Die Engländer würden geschlagen; 2. Die Befreiung der Stadt Orleans; 3. die Krönung des Dauphin in Reims; und  4. die Einnahme von Paris und die Rückkehr des Herzogs von Orleans aus der Gefangenschaft, welcher in der furchtbaren Schlacht von Azincourt 1415 in englische Hände geraten war. Seguin, später Dekan der Universität Poitiers, fügte im Rehabilitationsprozess hinzu, dass sich alle Voraussagen erfüllt hätten, auch wenn die beiden letzteren erst nach ihrem Tode eingetroffen seien. Die Untersuchungen und Examinierungen in Poitiers ergaben nur Gutes, Demut, Jungfräulichkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Die Doktoren erstellten ein Gutachten für den Kronrat, das aber nicht mehr erhalten ist, aber in seinen Grundzügen überliefert ist. Auf Grund der Not des französischen Volkes rieten die gelehrten Doktoren dem Tronfolger, dass er die Jungfrau mit einem ehrenvollen Geleit und dem Heer nach Orleans senden und auf Gott vertrauen sollte. Noch in Poitiers diktierte Jeanne einen Brief an den König von England, Heinrich VI., und seinen Regenten in Frankreich, den Herzog von Bedford. Sie forderte sie im Namen Gottes auf  alle eroberten guten Städte an den französischen König zurückzugeben, andernfalls werde sie alle Engländer aus dem Land jagen.

 

Den Kronrat leiteten wohl dieselben Beweggründe bei seinem Beschluss eine Rüstung für die Jungfrau anfertigen zulassen und sie mit einem Gefolge zu ihrem Schutz unter Jean d’ Aulons, ihrem von da ab ständigen Begleiter, nach Orleans zu senden. Zu ihrem Gefolge gehörten auch ihre früheren Begleiter Jean de Metz und Bertrand de Poulengy, dann noch der spätere  Beichtvater Jean Pasquerel, welcher unbedingt an ihre göttliche Sendung glaubte, sowie zwei Herolde und zwei Pagen. Ihre nächste Station war Tours, wo die Schwiegermutter des Dauphins residierte. Dort bekam Jeanne ihre vollständige Ritterrüstung und ihr Lilien-Banner mit der Aufschrift „Jhesus-Maria“. Weiter verlangte sie hier noch ein besonderes Schwert. Sie wisse von ihren Heiligen, dass dieses Schwert hinter dem Altar der Kapelle Sainte-Catherine de Fierbois liege. Man schrieb den Pfarrer an, der dieses Schwert tatsächlich hinter dem Altar fand.

 

 

Die Entsetzung von Orleans

 

„Die Entsetzung von Orleans  war weniger dem militärischen Eingreifen der Truppen des Königs  und der großen Herren zu verdanken als dem „Charisma der Jungfrau“, so Gerd Krumeich.  Seit dem sog. Heringstag, am 12. Februar 1429, bei dem das königliche Heer eine große Niederlage erlitt, hatte sich die Situation der von Engländern und Burgundern belagerten Stadt Orleans immer mehr zugespitzt. Auf den verschiedenen Orleans vorgelagerten Forts (Bastillen) lagen 4000 Engländer. Überraschend zogen aber die 1500 burgundischen Alliierten vor Ankunft von Jeanne ab, vermutlich wegen den seit 1428 geführten Verhandlungen zwischen Karl VII. und Burgund. Neue englische Truppen setzten sich deshalb nach Orleans in Bewegung. Der Orleanische Bürger Lullier berichtete auf dem Rehabilitationsprozess 1456, dass die Bürgerschaft der Stadt extrem bedrückt gewesen sei und nur noch auf die Hilfe Gottes hoffte. Man verfolgte deshalb auch mit größter Gespanntheit die umlaufenden Gerüchte und Berichte, dass eine Jungfrau aus Lothringen den hart bedrängten Bürgern zu Hilfe kommen würde. Man wusste sogar von ihrem Brief an den König und anderes. Die Kunde von ihrem Kommen war ihr also bereits vorausgeeilt als sie mit ihren Soldaten von Tours nach Orleans aufbrach, wo sie am 29. April im Süden der Stadt eintraf. Jeanne wurde überschwänglich von der gesamten Bevölkerung empfangen.  Sie brachte ein Kontingent von 200 Lanzen mit (1 Lanze = ein Ritter mit Bogenschützen und Knappen, etwa 10 Mann).  Auf Anweisung des Festungskommandanten, dem Bastard von Orleans (illegitimer Sohn des ermordeten Herzogs Ludwig von Orleans), Graf Dunois, sollte Jeanne d’ Arc’s Trupp abseits der englischen Forts nach Orleans die Loire übersetzen.  Jeanne war ungehalten, denn sie wollte gleich kämpfen.  Zum Bastard und späteren Grafen Dunois sagte sie ungehalten bei der Begrüßung: „Im Namen Gottes, der Rat meines Herrn ist sicherer und weiser als der Eure. Ihr habt geglaubt mich täuschen zu können, Aber ihr täuscht Euch selber, denn ich bringe Euch bessere Hilfe als sie jemals Soldaten und Bürgern zuteil geworden ist, nämlich die Hilfe des himmlischen Königs“. 

 

Starker Gegenwind verhinderte die Überquerung der Loire nach Orleans, sodass kaum an eine Übersetzung gedacht werden konnte. Plötzlich aber ließ Gott den Wind drehen und man konnte übersetzen.  Das überzeugte den Bastard und er setzte seine Hoffnungen immer mehr auf die Jungfrau.  Dennoch gab es große Schwierigkeiten mit den Militärs, denn sie wollten sich nicht dreinreden lassen, denn sie wollten eine direkte Konfrontation hinausschieben.  Aber es kam alles anders.  So diktierte Jeanne einen Brief an Sir William Glasdale, dem Kommandanten des stärksten Fort „Les Tourelles“, worin sie in Gottes Namen den unverzüglichen Abzug forderte, ansonsten alle den Tod erleiden würden. Am 4. Mai waren die letzten Kontingente und Verpflegungskonvois der Franzosen eingetroffen. Am gleichen Tag begann beim Fort Saint Loup eine heftige kriegerische Auseinandersetzung ohne Jeanne, aber sie hörte den Lärm und ritt in scharfem Galopp zu der Bastion. Als die Engländer die Jungfrau mit ihrem „Jhesus Maria – Banner“ sahen, waren sie so entsetzt, dass das Fort im Sturm von den Franzosen genommen wurde.

 

Mit einem weiteren Pfeil ließ Jeanne den Engländern in der  „Les Tourelles“ noch eine 2. Botschaft zukommen. Die englischen Soldaten ergriff jetzt fast panische Furcht, was auch Jean Pasquerel, der Beichtvater Jeannes, und andere bezeugten. Am 6. Mai kam es erneut zu heftigen Auseinandersetzungen um die kleineren Forts. Gezwungenermaßen mussten alle aufgegeben werden. Alle Briten zogen sich jetzt in ihr stärkstes Fort, „Les Tourelles“, zurück. Noch einmal erboste sich Jeanne über die Hinhaltetaktik des Kriegsrates. Doch der 7. Mai brachte die Entscheidung. Jeanne erklärte: „Ihr wart bei Eurem Rat und ich habe bei meinem Rat (Gott) eingeholt“.  Einen Tag zuvor hatte Jeanne ihrem Beichtvater anvertraut, dass sie bei der letzten Schlacht schwer verletzt würde. Der Rest ist Geschichte.  Auf jeden Fall wurde an diesem Tag, trotz allem Hader, die letzte Festung der Briten angegriffen.  Das Heldenmädchen stand an der Spitze der kämpfenden Truppe und die Soldaten anfeuernd. Bei der Besteigung einer Sturmleiter traf Jeanne ein englischer Pfeil unterhalb der linken Schulter, sodass sie aus dem Gefecht genommen musste, um die Wunde zu versorgen. Abends blies man erschöpft zum Rückzug. Da plötzlich erschien die Jungfrau wieder in voller Rüstung. Die Franzosen erfasste neuer Mut und das Bollwerk wurde mit geringem Widerstand im Sturm genommen. Sir William Glasdale, der die Jungfrau so verhöhnt hatte, ertrank mit anderen in der Loire.  Zur Bastille „Les Tourelles“ erklärte der Herzog von Alençon später, dass er sie in einem gewissen Zeitraum mit wenigen Mann gehalten hätte. Hatte Jeanne in Orleans noch große Schwierigkeiten bis sie von den Heerführern akzeptiert wurde, so wandelte sich dies jetzt nach dem ersten großen Sieg.

 

Die Rückkehr der Truppen in die Stadt Orleans gestaltete sich zu einem Triumpfzug, besonders für Jeanne, die aber zunächst an diesem gar nicht teilnehmen wollte, sondern auf dem Schlachtfeld über die vielen Toten auf beiden Seiten herzergreifend weinte. Die Bevölkerung der Stadt sah in ihr einen Engel Gottes. Die Franzosen und die Engländer standen sich anderntags noch einmal auf offenem Feld in Schlachtordnung gegenüber. Jeanne befahl nur dann zu kämpfen, wenn die Briten angreifen sollten. Doch dann besannen sich die Engländer eines Besseren und zogen ab. Man bedenke, ein 17jähriges Bauernmädchen bricht alle Widerstände bei den Militärs im Göttlichen Auftrag und entsetzt Orleans innerhalb von 4 Tagen. Das war das Zeichen, das sie, nach ihrer Aussage vor den Doktoren und hohen Herren in Poitiers bei Orleans erbringen wollte. Interessant sind aber auch Details vor den Kampfhandlungen und später. Ihre Keuschheit verbot ihr im Heer Marketenderinnen zu dulden. Sie konnte sehr böse werden, wenn Soldaten fluchten oder Glücksspiele betrieben. Auch verlangte sie, dass die Krieger zur Beichte gingen. Man kann es fast als Wunder ansehen, dass selbst der größte Kriegsheld Frankreichs, La Hire (der Zorn Gottes, wie ihn die Engländer nannten), tatsächlich zur Beichte ging.

 

 

Von Orleans zur Krönungsstadt Reims

 

Als Frankreich bei Orleans bereits verloren schien, wendete Jeanne d’ Arc durch ihren todesmutigen Einsatz das Blatt. Am 12. Juni wird Jargeau erobert. Bei Patay wurden die Engländer buchstäblich überrannt. Ab Mitte Mai 1429 bereits vergrößerte sich das französische Heer ständig und setzte den Siegeszug mit der Jungfrau an der Spitze im Loiretal fort. Jeanne hatte zu diesem Zeitpunkt schon sagenhafte Berühmtheit in ganz Frankreich erlangt. Viele zeitgenössische Quellen berichteten über sie. Jeanne, so wurde behauptete, habe sich, aufgrund der fortdauernden, militärischen Erfolge, verändert. Richtig ist, dass sich das sehr spontane Bauermädchen zu einer Kriegsherrin (chef en guerre) und einer militärischen Führerin entwickelte. Ihre Befehle konnten oft schneidend scharf sein und keinen Widerspruch dulden. Sie wuchs einfach in die ihr von Gott gegebene Aufgabe hinein. Im Grunde genommen, änderte sie sich ihr Wesen keineswegs. Graf Dunois erklärte zur Eroberung von Troyes: „Die Positionen, die sie wählte, waren so bewunderungswürdig, dass die berühmtesten und erfahrendsten Hauptleute keinen so guten Schlachtplan hätten entwerfen können (Lucie-Smith 1990,187f.; Q III, 13)“. Am Hofe des Königs aber war die Skepsis gegenüber der Gottgesandten immer noch nicht gewichen. Dennoch konnte man sich ihrer Sieges-Aura nicht entziehen (Krumeich). Der Historiker des Herzogs von Alençon, Perceval de Cagny, notierte sehr genau die Intrigen, Bedenken und Ichhaftigkeit. Wiederum erfolgte eine drastische Reaktion von Seiten Jeannes. Sie würde den König und das Heer ohne Umschweife zur Krönungsstadt bringen. Im Rehabilitationsprozess erklärte Graf Dunois, dass Jeanne ausdrücklich die Auffassung vertrat, dass nach der Krönung die Macht der Feinde immer mehr nachlassen würde. Der Chronist Perceval de Cagny lakonisch: „Und niemand wagte ihr zu widersprechen“ (Q 4, S. 11). Sie konnte sehr gut politisch und taktisch argumentieren, nicht nur über Mystisches reden.  Sie hat nie einen Soldaten getötet und weinte oft über die toten Krieger. Einmal nahm sie aus Mitleid den Kopf eines sterbenden Briten in ihren Schoß und tröstete ihn.  Manche Engländer verdankten ihr das Leben. Ihr „Beau Duc“, der Herzog von Alençon, sagte über sie aus: „Johanna war einfach und jung, aber das Kriegshandhandwerk  verstand sie; sie wusste ebenso die Lanze, wie die Armee zu formieren und einen Aufstellungsplan zu entwickeln, besonders was die Artillerie  betraf; jeder staunte darüber, wie sie all das mit Sicherheit und Umsicht regelte, als hätte sie seit zwanzig oder dreißig Jahren Krieg geführt (Schirmer-Imhoff 2001)“. Wahrhaftig, Gott ließ aus dem 17jährigen Bauernmädchen eine Kriegsheilige erstehen, die im Laufe der Geschichte nicht ihresgleichen findet, um ein leidendes Volk vor endgültiger Unterjochung zu retten. Seit Orleans strömten der Armee große Massen von Freiwilligen zu und alle mögliche Unterstützung. Sie glaubten alle an die Jungfrau, die ihnen die Freiheit Frankreichs prophezeite. Das Heer der Ritter und Söldner hätte es nie allein geschafft ganz Frankreich zu befreien. Untersuchungen ergaben, dass in diesen Tagen das französische Nationalbewusstsein erwachte. Selbst Adelige, die sich kein teueres Schlachtross und Rüstung leisten konnten, stießen zum Heer und dienten als Bogenschützen oder einfache Soldaten.

 

Immer mehr Städte fielen oder öffneten Karl VII. ihre Tore. Auf dem Weg nach Reims hatte sich der Heerzug immer stärker zu einer Prozession gewandelt. Nach kurzer Zeit konnte das Heer  mit dem Dauphin und der Jungfrau an seiner Seite in der alten Krönungsstadt Reims einreiten. Aus dem ganzen Lande strömten die Menschen zur Krönung zusammen, um dem neuen Herrscher zu huldigen.  Aber Jeannes Popularität überstrahlte alles.  Bei den Krönungsfeierlichkeiten in der Kathedrale von Reims stand Jeanne mit ihrem Banner immer in unmittelbarer Nähe des Königs. Krumeich schrieb: „Die Fahne des einfachen Bauernmädchens, das aus eigener Kraft zur bewunderten und beneideten Heerführerin geworden war, wurde bei der Krönung des Königs in Reims die erste Reverenz erwiesen (Krumeich 2006,63)“. Nachdem die Salbung des Königs mit dem Heiligen Öl erfolgt war und er im Ornat vor den Großen seines Königreiches stand, fiel Jeanne vor ihm, die Knie umfassend, nieder und sagte: „Sanfter König, nun ist der Wunsch Gottes erfüllt, der wollte, dass die Belagerung von Orleans aufgehoben und dass Du in diese Stadt Reims gebracht werden solltest, um deine heilige Weihe zu empfangen und so zu zeigen, dass Du der wahre König bist und der, dem das Königreich Frankreich gehören soll (Lucie-Smith 1990,195; Q IV,186)“. Jeanne vergoss heiße Tränen und die Anwesenden waren tief  bewegt. Sie war am Ziel, aber ihre Aufgabe hatte sie noch nicht ganz erfüllt. Jeanne hatte vor den Krönungsfeierlichkeiten auch einen Brief an den Herzog von Burgund diktiert, der ihn zur Krönung und zu Friedensverhandlungen einlud. Zur Krönung erschien er nicht und ließ auch die Einladung unbeantwortet. Zur Krönung war aber überraschend Jeannes Vater mit einer Abordnung aus ihrem Heimatdorf Domrémy erschienen. Vater und Tochter sahen sich wieder, aber zum letzten Mal. Die Stadt bezahlte dem Vater den Aufenthalt in Reims, wie aus den Akten hervorgeht (Thomas 2000, 352). Nach der Krönung in Reims hatte der König Jeanne und ihre ganze Familie und deren Nachkommen in den Adelstand (du Lys) erhoben. Ihr selbst aber war die Erhebung absolut gleichgültig. Jeanne erreichte aber beim König noch, dass ihr Heimatdorf  Steuerfreiheit genießen durfte.

 

 

 

Vor Paris

 

Nach der Krönung verhandelte Karl VII. weiter mit Burgund, in der Hoffnung endlich Ergebnisse seiner Friedensbemühungen zu bekommen. Jeanne hatte nach der Krönung erkennen müssen, dass es jetzt unter den Parteien weniger um Vollendung der göttlichen Mission ging, sondern mehr um politische Aktion. Trotzdem ergab sich eine Stadt nach der anderen auf dem Wege nach Paris. Jeanne war sehr enttäuscht, dass der König eher mit dem zufrieden war, was man inzwischen erreicht hatte. So drängte Sie auf einen unverzüglichen Sturm auf Paris, doch die Belagerung von Paris schien unter einem schlechten Vorzeichen zu stehen. Die Heerführer stritten sich unter einander und man machte Jeanne für die Misserfolge bei beiden Angriffen verantwortlich. Jeanne wurde bei einem dieser Angriffe am Bein verletzt. Der König dagegen verharrte abwartend in Senlis. Am Ende wurde durch Befehl des Königs die Belagerung von Paris aufgehoben und das königliche Heer aufgelöst. Jeanne legte darauf symbolisch ihre Ritterrüstung in der alten Krönungskirche von St. Denis nieder. Damit war Jeanne gezwungen zu pausieren, Der König präsentierte sie gerne, nach der Erhebung in den Adelstand, in seinen Schlössern wie Sully und Gien. Sie wurde wie eine Prinzessin behandelt, da sie sich im „dernier cri de Bourgogne“ zu kleiden wusste (Vossen o. J., 84f.). Wo immer sie auftrat, wurde sie gefeiert, aber im Grunde ihres Herzen behielt sie ihr schlichtes Wesen. All das ist ebenso bewunderungswürdig, wie sie immer neue Situationen mit Bravour bewältigte.

 

Etwas später wollte man mit einem kleinen Königsheer die Städte La Charité und St. Pierre le Moûtier entsetzen. Der Erfolg war mäßig, obwohl auch Jeanne daran beteiligt war. Dennoch schadete es ihrem Charisma keinesfalls.

 

 

 

Die Gefangennahme vor Compiegne

 

Vor Melun sagten Jeannes Heilige, dass sie noch vor Mittsommer in Gefangenschaft geraten würde. Anfangs Mai belagerten die Burgunder Compiegne. Am 13. Mai traf Jeanne mit ihrer kleinen Truppe in der Stadt Compiegne ein. Bei einem Ausfall aus der Stadt am 23. Mai erreichte Jeanne mit ihren Gefolgsleuten nicht mehr das Stadttor und wurde umzingelt und überwältigt. So fiel sie in die Hände von Jean de Luxembourg bzw. der Burgunder. Auch ihre Gefolgsleute gelangten mit ihr in Gefangenschaft, darunter auch Jean d’ Aulon. D’ Aulon wurde erst in Rouen von ihr getrennt. Er kam später durch Lösegeld wieder frei. Der Luxemburger ließ sie zunächst nach seinem Schloß Beaulieu bringen. Als sie dort vor Befreiungsversuchen nicht mehr sicher war, verbrachte man sie nach Schloß Beaurevoir. Dort unternahm sie einen Fluchtversuch, indem sie vom Schlossturm, wohl aus 18-20 Meter Höhe, in den Schlossgraben sprang. Sie wurde bewusstlos und mit leichten Verletzungen geborgen. Doch sie war bald wieder gesund. Dies wurde natürlich als sehr erstaunlich angesehen, wenn nicht als Wunder. Über die Motivation von Jeanne gibt es keine eindeutigen Belege. Jedenfalls leugnete Jeanne danach, dass sie sich das Leben nehmen wollte. Jean de Luxembourg erkannte wohl ihr wahres Wesen, aber die Geldgier obsiegte bei ihm, sodass er sie geraume Zeit später an die Engländer um viel Geld verschacherte. Die enorm hohe Summe presste man aus den Bauern der besetzten Normandie heraus. Als Käufer für die Engländer trat Jeannes künftiger Richter der Bischof von Beauvais, Pierre Cauchon, auf.

 

Ob die Auslieferung in englische Gefangenschaft  in Crotoy oder Arras erfolgte, kann nicht mehr festgestellt werden. Ihre letzte Station war Rouen. Die Behauptungen von Autoren des 19. Jahrhunderts sind unrichtig, wonach Jeanne vom König verraten worden sei. Dies hat vor allem Heinz Thomas klargestellt. Die Nachricht über Jeannes Gefangennahme verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Das Volk war bestürzt. In Orleans, Blois und Tours gab es öffentliche Gebete. Gleichzeitig kam es in Tours zu einer großen Prozession an der weltliche und geistliche Würdenträger teilnahmen. Karl VII. selbst war offenbar bereit Jeanne auszulösen. Nach einer Chronik sandte der König einen Boten an den Herzog von Burgund, um einen Verkauf von Jeanne an die Engländer zu verhindern. Der Erzbischof von Embrun beschwor den König die Jungfrau zu befreien und die Städte „schrien weiterhin um Hilfe für die Erretterin“ (Lavater-Sloman 1963,268). Die wenigen Dokumente lassen aber durchaus den Schluss zu, dass Karl eine „unablässige diplomatische Tätigkeit zugunsten der Jungfrau entfaltete“ (Ebenda). Es lag in seiner Schwäche, dass er sich nicht gegen den Kanzler  und La Trémoille durchsetzen konnte… Gegen Ende des Sommers 1430 vernahm man in Frankreich immer stärker werdende Gerüchte, dass ein Schauprozess bevorstand. Danach versank Karl VII. wohl wieder in Entschlusslosigkeit. Daran hatten seine Berater gewiss einen ganz erheblichen Anteil. Jean Jouvenal des Ursins, der spätere Kanzler, tadelte ihn deswegen später heftig.

 

 

 

Der Prozess und das Ende

 

Es liebt die Welt, das Strahlende

                                                                                                  zuschwärzen und das Erhabene

                                                                                   in den Staub zu ziehn.

Friedrich Schiller

 

 

 

Kaum war Jeanne in Rouen eingetroffen, bezog Jeanne im Schlossturm ihr letztes Quartier. Unmittelbar  nach dem Eintreffen in Rouen wurde ihre Jungfräulichkeit auf Anweisung des Bischofs Cauchon und der Gemahlin des Herzogs von Bedford nochmals untersucht. Die damit beauftragten Ammen bestätigten, dass Jeanne eine absolut intakte Jungfrau (virgo intacta) sei. Eine Jungfrau konnte in der damaligen Zeit nach allgemeiner Ansicht niemals mit dem Teufel im Bunde stehen. Im ganzen Verdammungsprozess spielte dieses Faktum aber überhaupt keine Rolle mehr, denn ihre Hinrichtung war bereits  englischerseits beschlossen.  Jeanne musste in ihrem Kerker durch die Wachsoldaten gemeinste Beleidigungen anhören. Ja sie musste ständig ihre Unschuld und Keuschheit verteidigen. Da war ihre Männerkleidung von großem Vorteil.

 

Am 9. Januar 1431 begann der „Inqusitionsprozess“, doch Jeanne wurde erst am 21. Februar vorgeladen. Der britische König hatte die Leitung des Prozesses dem Bischof von Beauvais, Pierre Cauchon, übertragen, der auch dessen Berater war. Primär war es ein politischer Prozess, dem die Engländer ein kirchliches Mäntelchen umzuhängen versuchten. Jeanne war eine Kriegsgefangene und keine kirchliche, denn sonst hätte man sie in ein kirchliches Gefängnis überstellen müssen, wo sie von Frauen bewacht worden wäre. Der Bischof als vorsitzender Richter war Franzose, wie auch die Doktoren der Universität Paris oder Kleriker anderer Institutionen, die teilnahmen. Nur wenige Engländer waren als Beisitzer dabei. Aber sie wurden alle von den Engländern bezahlt. Man versuchte zu beweisen, dass Jeannes Taten und Erfolge Werke des Teufels gewesen seien. Gleichzeitig verfolgte man als Nebenabsicht die Krönung Karl VII damit zu diskreditieren. Man wollte ihn mit dem Vorwurf „von einer Hexe gekrönt“ unmöglich machen. Doch nicht alle Teilnehmer waren mit der parteiischen Führung des Prozesses einverstanden.

 

Man unterzog Jeanne intensiven und erniedrigenden Verhören. Die in universitären Disputationen geschulten Gelehrten aber mussten bald zur  Kenntnis nehmen, dass Jeanne den Doktoren und Klerikern durchaus gewachsen war. Gewiss konnte sie weder lesen, noch schreiben (außer ihrer Unterschrift), aber sie hatte ein erstaunliches Gedächtnis und korrigierte den protokollierenden Schreiber noch Tage später. Trotzdem sie fast immer schlagfertig auf die sophistischen Fragen antwortete, wiederholte man manche Fragen immer wieder. Das richterliche Gremium gab nicht den Anschein, dass man jemals überhaupt in Betracht gezogen hatte, dass Jeanne wirklich nur im Auftrag Gottes gehandelt habe. Einmal erklärte Jeanne den Doktoren demonstrativ: „Ich sage Euch, die Ihr Euch meine Richter nennt, nehmt Euch in Acht! Ihr ladet Euch schwere Last auf und Ihr belastet Euch übermäßig (Nette 2002,89)“. Und dem Bischof von Beauvais erklärte sie scharf: „Ihr nennt Euch meinen Richter. Ich weiß nicht, ob ihr es seid. Aber hütet Euch, dass ihr nicht übel richtet. Ihr würdet Euch in große Gefahr begeben. Ich mache Euch darauf aufmerksam, damit, wenn Unser Herr Euch dafür straft, ich meine Pflicht getan und es Euch gesagt habe“(Duby 1985, 64). Man stellte ihr immer wieder  Fallen oder quälte sie mit unsinnigen Fragen, etwa ob ihre Heiligen nackt gewesen seien oder ob sie Haare hätten. Man warf ihr vor, dass es unanständig sei, Männerkleidung zu tragen. Sie erklärte, dass sie es auf Anweisung Gottes getan habe. Diese Vorhaltung machte man ihr immer wieder bis zum Ende des Prozesses. Der vielen Fragen oft genug überdrüssig, riet ihnen Jeanne doch die Akten aus Poitiers kommen zu lassen, wo man alle Antworten finden würde. Aber das interessierte wohl die wenigstens.

 

 

Der Magister Beaupère fragte sie, ob sie gewiss sei, dass sie in der Gnade Gottes sei. Jeanne gab ihm ihre berühmte Antwort: „Wenn ich es nicht bin, möge mich Gott dahin bringen, wenn ich es bin, möge mich Gott darin erhalten! Ich wäre der traurigste Mensch auf Erden, wenn ich mich nicht in der Gnade Gottes wüsste“. Gefragt, ob ihre Heiligen die Engländer hassen, erwiderte sie: „Sie lieben, was Unser Herr liebt, und hassen, was Gott hasst.“  Weiter fragte man sie, ob Gott die Engländer hasse.  Sie entgegnete, dass sie nichts über Liebe oder Hass  von Gott gegenüber den Engländern wüsste. Zweifellos hoffte man immer wieder, dass sie in eine Falle treten würde, aber sie antwortete mit unvergleichlichem Scharfsinn und oft genug auch taktisch.  Jeanne machte den Herren Richtern klar, dass, wie sie schon wiederholt gefordert hatte, dass man sie zum Papst führen möge, auf den sie sich nächst Gott berufen würde. Nach den Verfahrensregeln hätte der Prozess deshalb ausgesetzt werden müssen. Aber Cauchon ließ es nicht dazu kommen, denn die Engländer forderten unnachsichtig ihren Tod.

 

Noch während des Prozesses kam der Magister Jean Lohier nach Rouen. Der Notar Manchon fragte ihn bei dieser Gelegenheit, ob er die Akten eingesehen habe. Er entgegnete ihm: „Ich habe den Prozess  gesehen, er ist ungültig!“ Zu den Rechtsmängeln (nach damaliger Zeit) bemerkte er auch: „…ferner geht der Prozess auch Personen an, die man nicht vor die (Gerichts-) Schranken gerufen hat. Kein gesetzlicher Rechtsbeistand trat bisher auf“ (Schirmer-Imhoff 2001, 202). Lohier verließ unmittelbar danach Rouen, da er um sein Leben fürchtete. Einigen anderen erging es ähnlich.

 

Die Folter wurde von den Richtern abgelehnt, da Jeanne ihnen deutlich genug sagte, dass sie nachher doch wieder alles widerrufen würde. Sie verteidigte ihren König, wo immer sie es vermochte. Nachdem die Pariser Universität ihr negatives Gutachten über Jeanne erstellt hatte, neigte sich der Prozess dem Ende zu. Am 24. Mai führte man sie auf den Friedhof von Saint-Quen, wo man ihr eine Predigt hielt in Gegenwart von Scheiterhaufen und Henker, um sie zu einem Widerruf zu bewegen. Man forderte sie nach der Predigt auf  ihre „Ketzerei“ zu widerrufen. Dem wurde natürlich nicht entsprochen und sie wurde mehrfach ermahnt, sich der Mutter Kirche zu unterwerfen. Sie entgegnete ostentativ: „Ich berufe mich auf Gott und unseren heiligen Vater, den Papst“. Danach ließ man Jeanne etwas unterschreiben, eine angebliche Abschwörung, die nur wenige Worte umfasste. Dies sollte Jeanne in ein kirchliches Gefängnis bringen und vor dem Feuertod bewahren. Sie wurde getäuscht, denn in den Akten tauchte später eine extrem lange, aber gefälschte Abschwörung auf. Nur zu bald erkannte Jeanne, das man sie hereingelegt hatte und distanzierte sich davon, auch zog sie wieder Männerkleidung an, denn man hielt sich nicht an die Versprechen, die man ihr auf dem Friedhof gegeben hatte. Graf Warwick und die Engländer waren inzwischen erbost über die Prozessführung, aber Cauchon beruhigte sie. Bei Cauchons letztem Besuch in Jeannes Kerker, wo er Jeanne in Männerkleidung vorfand, rief sie laut: „Bischof ich sterbe durch Euch…Ich werde Euch vor Gott dafür verantwortlich machen (Nette 2002,104; Q II,376)“. Kurz danach wurde das Endurteil wegen Rückfälligkeit verkündet und Jeanne dem weltlichen Gericht übergeben. Nachdem Jeanne das Urteil vernommen hatte, fing sie an zu schreien, denn sie konnte nicht verstehen, weshalb ihr so reiner und unberührter Leib zu Asche verbrennen sollte. Es schockierte auch, dass man kein weltliches Urteil mehr erließ, sondern Jeanne unmittelbar zur Richtstätte auf den Markt führte und sie dem Henker überantwortete. Viele aus dem Volk murrten. Allerdings wurde ihr noch eine Predigt gehalten, worin sie auch exkommuniziert wurde. Vor ihrem Tod bat sie alle um Vergebung, wie auch sie allen vergab. Jeanne mit festen Worten: „Ich vergebe allen, die mir Leid angetan haben“. Weiter bat sie alle um Verzeihung für das Ungemach, das die Franzosen und Engländer durch sie erdulden mussten (Lavater-Sloman 1963,360).

 

Auf ihren eigenen Wunsch reichte ihr ein englischer Soldat ein kleines selbst gemachtes Holzkreuz, als sie schon am Schandpfahl festgebunden wurde, während einer der Mönche, die sie betreuten, auf Jeannes Wunsch in die nahe Kirche lief und ein Prozessionskruzifix holte, um es vor ihr Gesicht zu halten. Dann wurde der Scheiterhaufen angezündet. Es wird berichtet, dass sie das Prozessionskreuz küsste, dann loderten die Flammen hell auf. Sie redete noch mit ihren Heiligen und mehrfach rief sie „Jesus, Jesus“, bevor sie von Rauch und Feuer eingehüllt wurde. Ihre Asche wurde in die Seine gestreut. Den Henker packte die Verzweiflung, weil er überzeugt war, verdammt zu sein, da er eine Heilige verbrannt habe. John Tressart, Sekretär des Königs von England, rief aus: „Wir sind verloren, wir haben eine Heilige verbrannt“(Sackville-West 1992,454). Notar Colles später als Zeuge: „…Nachdem man Johanna verbrannt hatte, zeigte das Volk mit den Fingern auf die, welche mit der Sache zu tun hatten, und äußerte seinen Abscheu“ (Schirmer-Imhoff 2001, 210). Es wird auch berichtet, dass alle, die am Tode der Gottgesandten verantwortlich waren eines unnatürlichen oder schlimmen Todes starben.

 

 

Danach

 

La Hire, der bei Orleans und beim Loire-Feldzug an der Seite von Jeanne gekämpft hatte, eroberte 1431 die Stadt Louviers, die etwa 33 Kilometer von Rouen entfernt war. Bei einem Befreiungsversuch von Jeanne wurde er gefangen genommen. Nach einem Jahr gelang es ihm zu fliehen. In Louviers befanden sich noch zwei weitere enge Kriegsgefährten von Jeanne, Saintrailles und der Graf Dunois. So wie es scheint, war dies ein Geheimunternehmen von dem offenbar auch der König wusste. Nach dem Tode von Jeanne fassten die Engländer wieder Mut, vertrieben die Franzosen aus Louviers und siegten bei Senlis und Beauvais über Karls Truppen. Ja, wäre man Jeannes Ratschlägen gefolgt, so hätte man dem Gegner keine Ruhepause gegönnt und Frankreich wäre sicherlich in wenigen Monaten frei gewesen.  Es ist immer so, wenn Menschen es besser wissen wollen als Gott.

 

Im Juni 1433 fällt der verräterische erste königliche Berater Karl VII., La Trémoille, in Ungnade. Und zwei Jahre später, 1435,  folgte die Aussöhnung mit dem Herzog von Burgund. Am 14. September stirbt Herzog Bedford, der englische Statthalter in Frankreich. Man sagte an gebrochenem Herzen wegen dem Verlust der englisch besetzten Gebiete in Frankreich und den Soldaten. Wenige Tage später wird in Arras zwischen Karl VII. und dem Herzog von Burgund vertraglich der Friede besiegelt. Am 12. November 1437 kann Karl VII. endlich in seine Hauptstadt Paris einziehen. Jean d’ Aulon, Jeannes treuer Begleiter, führte das Pferd des Königs. Aber es dauerte noch lange bis Karl Herr von ganz Frankreich werden sollte. Vorher gab es noch viele große Schwierigkeiten zu bewältigen. Er tat sehr viel für sein darnieder liegendes Land und wurde so doch noch ein guter König. So räumte er gründlich mit den durch die Lande ziehenden, mordenden und plündernden Söldnerbanden auf, um seinem Volke endlich auch Sicherheit zu bringen. Das wäre sicherlich voll und ganz auch Jeannes Wunsch gewesen. Sie war immer eine absolute Gegnerin vom Plündern und Brandschatzen. 1440 kehrte Herzog Karl von Orleans, wie Jeanne voraus gesagt hatte, aus englischer Gefangenschaft wieder zurück in seine Heimat. 1449 fällt Rouen, die Stadt ihrer Leiden, und Karl VII. gibt jetzt den Befehl die Akten des Schandprozesses von 1431 zu studieren, damit der Fall erneut aufgerollt werden konnte. 1453 ist König Karl, später „der Siegreiche“ genannt, endlich König von ganz Frankreich, so wie es die Jungfrau prophezeit hatte.

 

In der Vorbereitung des Rehabilitationsprozesses wurden viele Zeugen gehört. Für eine Revision des Verfahrens von 1431 gab es aber ein großes Problem. Karl konnte nicht einfach den Prozess befehlen. Ein direkt Betroffener musste sich erst an den Papst wenden, deshalb bat  man Jeannes Mutter, Isabelle Romée, an den Papst zu schreiben, damit ihrer geliebten Tochter endlich Gerechtigkeit widerfahren konnte.  Am 7. November 1455 übergibt die schluchzende Mutter in der Kathedrale Notre Dame in Paris das Schreiben des Papstes zur Eröffnung des Revisionsverfahrens.  Jean d’ Aulon konnte die grausame Ermordung Jeannes nicht ertragen und trat in ein Kloster ein, wo er auch seine Zeugenaussage für den Prozess abgab. Alle Taten besagter Jungfrau seien ihm göttlich und wunderbar erschienen. Einer Jungfrau sei es unmöglich solche Werke zu vollbringen ohne durch den Willen Unseres Herrn. Viele andere legten ein ähnliches Zeugnis ab. Am 7. Juli 1456 wurde Frankreichs Nationalheilige feierlich in Rouen rehabilitiert. Das Urteil von 1431 wurde für null und nicht erklärt und öffentlich zerrissen. Wenige Tage danach gab die Stadt Orleans ihr zu Ehren eine große Freuden- und Jubelfeier. Die Kirche aber konnte sich erst nach fast 600 Jahren entschließen Jeanne d’ Arc heilig zu sprechen.

 

Es dürfte keinen berechtigten Zweifel daran geben, dass Jeanne d’ Arc’s plötzliches Erscheinen und ihre mutigen und standhaften Handlungen Frankreich die vollständige Befreiung von den fremden Eroberern gebracht hat, wenn auch erst nach ihrem furchtbaren Tod. Die Stadt Orleans hat ihre Befreierin niemals vergessen. Ihre Mutter Isabelle Romée-Darc lebte als städtische Pensionärin in Orleans bis sie 1458 starb. Sie lebte offenbar in dem Haus das Jeanne noch zu Lebzeiten gemietet hatte. Wir können Gott keinerlei Vorschriften machen, wo, wie und in welcher Form Er Seine Heiligen einsetzt. Wenden wir uns noch einmal ihren spirituellen Beratern zu, so dürfte besonders interessant sein, dass die heilige Katharina von Alexandria genauso, wie Jeanne d’ Arc, vielen Gelehrten gegenüberstand, denen sie Rede und Antwort stehen musste. Die heilige Margarethe trat ebenso, wie das 19jährige heldenhafte Mädchen, in ihrem heilig mäßigen Leben in Männerkleidung auf. Einmal hatte d’ Aulon seine verehrte Vorgesetzte gefragt, sie möge ihm doch Ihren göttlichen Ratgeber zeigen. Und sie antwortete ihm darauf, „er sei nicht würdig, noch tugendhaft genug, um ihn zu sehen. Darauf ließ der Sprechende  davon ab, sie danach zu fragen“ (Duby 1985, 159)

 

Die heutige Zeit versteht das Wirken von Menschen wie Jeanne d’Arc nicht mehr. Jeanne hatte nie mit dem Schwert einen Menschen getötet, deshalb war ihr das Führen der Fahne das Wichtigste. Sie war ein Gott begnadetes Mädchen aus Lothringen. Sie war eine Prophetin, deren Voraussagen sich erfüllten. Mit psychologischen Spekulationen kommen wir hier allerdings nicht weiter. D. S.

 

* Formal war sie es nie, praktisch aber im Loire-Feldzug und auf dem Wege nach Reims. Die Befehle kamen am Ende immer von ihr und man führte sie einfach aus. Wer in der Vergan-genheit ihre Rolle schmälern wollte, hackte auf diesem Punkt herum.

 

 

Quellen:

Carl Vossen: Sie siegte nicht nur  bei Orleans. Die heilige Johanna wie sie wirklich war.

                                    Stern-Verlag Düsseldorf                                     

Edward Lucie-Smith: Johanna von Orleans. Eine Biografie. Lizenzausgabe Düsseldorf 1990

Georges und Andrée Duby (Hg.): Die Prozesse der Jeanne d’ Arc. 3. Aufl. Berlin 1999 

                                     (= Duby)

Gerd Krumeich: Jeanne d’ Arc – Geschichte der Jungfrau von Orleans – München 2006

Heinz Thomas: Jeanne d’ Arc: Jungfrau und Tochter Gottes. Bonn 2000

Jules Quicherat (= Q): Procès de condammation et de réhabilitation de Jeanne. 5 Bde.  Paris

                                     1841-1849

Mary Lavater-Sloman: Jeanne d’ Arc – Die Heilige in Waffen – Zürich 1977

Nette, Herbert: Jeanne d’ Arc – 10. Aufl. 2002

Pierre Moinot: Jeanne d’ Arc. Die Macht und die Unschuld. Ulm 1989

Régine Pernoud – Marie Véronique Clin: Johanna von Orleans – Der Mensch und die

                                      Legende – dtsch. Bergisch-Gladbach 1991 

Régine Pernoud:  Jeanne D‘ Arc. Glaube, Kraft, Vision. München: Kösel 1995

Ruth Schirmer-Imhoff: Der Prozess der Jeanne d’ Arc. München 2001, 5. Aufl.

Vita Sackville-West: Jeanne d’ Arc – Die Jungfrau von Orleans. Frankfurt/M – Berlin 1992

Walter Nigg: Der Engel Frankreichs. In: Große Heilige. Zürich und Suttgart 1962 (7. Aufl.)

Wikipedia: Hundertjähriger Krieg, Königin Isabeau

 

 Text von D.S.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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4 Antworten to "Johanna von Orleans – Tochter Gottes"

Jeanne war schon immer meine Heldin gewesen, und ist es immer noch. So eine besondere Frau findet man sehr selten.

Auch nennenswert: Sie war für kurze Zeit die Königin von Frankreich, siehe Quelle.

Quelle: http://www.stjoan-center.com/queen/index.htm

was ich mich bei jeanne bis heute allerdings frage: woher stammt diese prophezeiung mit der „retterin aus lothringen“? hast du diese prophezeiung irgendwo komplett gelesen?
ohne ihre verdienste schmälern zu wollen, vielleicht hatte sie einfach nur glück… in einer zeit, wo der glaube die oberste direktive war, passte ihr auftauchen in bezug auf diese prophezeiung natürlich perfekt.

wie dem auch sei, ein überaus interessanter und lehrreicher artikel. sehr gut gemacht!

Durch diese Ungerechtigkeit kann ich nur eines empfinden: Hass, Wut und Trauer – für einen ehemaligen Samariter und Pfadfinder eher ungewöhnlich.

Wenn ich nur die Möglichkeit hätte, diese Mörder – im Namen des Gesetzes – zu treffen, dann kann ich für nichts garantieren.

Wenn ich sterbe, lieber Gott, dann lass mich bitte zu „Jeanne la Pucelle“ durch. Ich will Ihr überall folgen, wenn es sein muss, auch in die Hölle – aber dort ist Sie sicherlich nicht.

Chamäleon aus der Schweiz,
und bald Franzose aus Frankreich. =)

PS: Man ließ viele unschuldige Menschen offiziell durch die Lynchjustiz ermorden, denn das Gesetz ist ja unfehlbar, oder: Jesus, Johanna von Orléans, die Juden, die Nonnen während der französischen Revolution ;-(… und bis heute ist es immer noch so. 😦 Der Obige.

PPS: Das Jahr 1477: Der Untergang des verräterischen Hauses Burgund wurde durch die Eidgenossen (Schweizer) und Franzosen eingeleitet – 46 Jahre nach Jeannes Tod. Der Obige.

Eine Korrektion:
Vaucouleurs liegt NICHT in der Champagne sondern im Departement Meuse.
Oder im Pays Barrois aber ganz ganz bestimmt nicht in der Champagne.
Ich lebe ein paar Kilometer entfernt vom Geburtsort Jeannes im Departement Meuse, deswegen weiß ich das. (Ihr Geburtsort selbst liegt schon im Departement Vosges / Vogesen)
Man kann auch heute dort noch ihr Geburtshaus besichtigen, welches als schmuckes kleines Museum in der Gemeinde Domremy la Pucelle hergerichtet ist.
Auch Vaucouleurs ist eng mit ihr verbunden. Ihr Bruder hat dort als Kapitän der Burg gedient.
(Vaucouleurs hat mal den Herren von Joinville (Champagne) gehört, war aber zur Zeit von Jeanne d’Arc in der Hand des Königs von Frankreich)
Also wenn Ihr mehr über diese bemerkenswerte Person erfahren wollt besucht uns doch im Departement Meuse, in Vaucouleurs und am Geburtsort von Jeanne. Die Landschaft hier ist traumhaft ursprünglich und noch sehr naturbelassen.
Wenn Ihr weitere Informationen sucht findet ihr auch auf der Seite des Tourismusverbands der Maasregion/des Departements Meuse viele nützliche Informationen dazu: http://www.tourisme-meuse.com

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