Frauen Power

Österreich und ich

Verfasst von: axinia in: März 27, 2007

              …wie die Liebe entstand

       Fortsetzung, Anfang in ÖSTERREICH: meine große Liebe

  by vova

Glücklicherweise ist es bei mir der Fall, das ich mich in Österreich nicht nur gut, sondern wirklich zu Hause fühle. Es gibt eine alte Weisheit: man ist dort zu Hause, wo man geliebt wird. Irgendwie stimmt die Chemie zwischen mir und Österreich – ich spüre die Liebe dieses Landes mir gegenüber. Aber aus welchem Grund fühle ich solche positive Ausstrahlung? Aus einem ganz einfachen — weil ich selbst eine so tiefe und so schöne Liebe für dieses Land empfinde.

Aber diese richtige Beziehung zwischen Österreich und mir hat sich nicht gleich etabliert. Es war nicht alles so rosarot, wie es vielleicht klingt. Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich dank meiner Treue (ich hatte auch die Chance, das Leben in Österreich mit dem in Italien zu tauschen) und Begeisterung (man sagt mir oft, das ich die beste Werbung für Österreich bin, weil meine Beschreibungen Österreichs immer so bunt und emotionell sind) dieses Land liebgewonnen habe. So ist es auch mit den Menschen dieses Landes, man muss viel Zeit und Aufmerksamkeit investieren, um österreichische Freunde zu gewinnen.

Und wie ein solches Integrationsproblem sich aus der Welt schaffen lässt, das möchte ich gerne hier schildern.

 by elkrusty

Trotz meiner Begeisterung für Österreich und meiner interkulturellen Ausbildung   (ich habe einen Universitätsabschluß für Dolmetsch Englisch-Russisch und Interkulturelle Kommunikation) mußte ich doch einen echten kulturellen Schock erleben und einiges vorgesetzt bekommen.

Alles war anders, angefangen mit dem Begrüßungsritual. Das war mein erster Schock, dass man einem wenig bekannten Menschen ein „obligatorischen Bussi” gibt – in Russland wird man höchstens mit einem Lächeln begrüßt und nur ganz dicke Freunde umarmen sich.

Was Lächeln betrifft, so ist das überhaupt ein eigenes Thema, wenn man aus Russland kommt. Es ist der erste Unterschied, den man merkt, wenn Russen und Westler einander begegnen. „Die Russen lächeln nie!”, denken sich die europäischen und amerikanischen Bürger. „Warum grinsen sie die ganze Zeit?”, wundern sich Russen. Und so sind schon die ersten Einschätzungen gemacht, erste Vorurteile kommen hoch. Man sagt gleich, dass die Russen unfreundlich und zu ernst sind, obwohl man später merkt, dass es gar nicht so ist. Allerdings, wenn man von einem Russen ein Lächeln bekommt, muss man wissen, dass es ganz wertvoll ist und wahre Annerkennung bedeutet.

Die österreichische Höflichkeit habe ich ein wenig übertrieben gefunden, alle diese Floskeln und besonders die Begrüßung in den Geschäften. Das war schon sehr seltsam für mich, obwohl ich später gelernt habe, es zu genießen. Jetzt finde ich es sogar sehr schön und verwende gerne all die Höfflichkeitsformen, die ich kenne.

 by magosgrgr

Natürlich waren noch viele andere Sachen, die mir neu erschienen, so wie z.B. „Termine ausmachen” (besonders überraschend neu für mich war, dass man sogar mit den eigenen Eltern einen Termin ausmacht, um sie zu sehen) – die Russen handeln spontaner, sie mögen keine wirkliche Organisation, oder die Betonung von Titeln (Herr Magister, Herr Doktor, Herr Prof. Mag. Doktor….). Man betont die Titeln bei uns nicht, aber ich würde es viel ehrlicher finden es doch zu tun, weil in Russland die Ausbildung eine genauso wichtige Rolle spielt und es hat immer eine große Bedeutung, ob man einen Universitätsabschluss hat oder nicht.

Bald nach der ersten Konfrontation mit der neuen Kultur spürte ich, dass es nicht leicht ist, ständig mit dem Andersdenken, mit den anderen Sitten und Verhaltensmustern in Berührung zu kommen,   sie zu verstehen und sich verständlich zu machen. Dann suchte ich Kontakt mit Menschen aus meiner Kultur, mit denen ich keine Missverständnisse hatte. Später habe ich erfahren: es ist eine typische Reaktion auf einen kulturellen Schock.

Man steckt in einer inneren Krise und will sich in seine gewohnte Umgebung zurückziehen. Am Anfang kann es sogar zu psychosomatischen Krankheiten führen, oder man widersteht der Notwendigkeit, neue Sprache und Sitten zu lernen. Man spürt überall gewisse Blockaden, die zwischen einem selber und den Menschen aus der anderen Kultur auftreten. Es treten Missverständnisse auf, privat und beruflich und so wird die Kluft immer größer.

 by mrsuperpants

Die gewohnten Sachen existieren hier einfach nicht (speziell was das Essen betrifft). Man denkt sich: “Warum sind die Menschen so eigenartig, so unlogisch?”. Dann beginnt man sich über die Einheimischen zu beschweren.   Diese Phase muss jeder Ausländer erleben. Bei manchen dauert es Wochen, bei manchen Monate, bei manchen Jahre und manche kommen nie aus dieser Phase raus…

Bei mir hat es Gott sei Dank nicht lange gedauert. Denn die Liebe zur diesem Land war viel stärker als alles andere. Ich habe Freundschaft gegen zahlreichen Österreichichern gehegt und das hat mich aus der Adaptationskrise gerettet.

„Wie hast du das geschafft?”, fragen mich noch immer manche marode Ausländer, die sich jahrelang deftig über österreichische Eigenschaften und Sitten beschweren. Die Antwort ist einfach – es ist nur die Liebe, die alle Dinge bewegt und Unmögliches möglich macht!

Diese unglaubliche Liebe zu Österreich in meinem Herzen, die so schön wie eine Blume ist, hat mir die Sprache, die ich schon immer gerne gehört habe, gelehrt. Deutsch konnte ich schon nach ein paar Monaten sehr gut, obwohl ich keinen Kurs gemacht habe – da war mir meine linguistische Ausbildung sehr behilflich.

Diese Liebe hat mir die Neugierde über die österreichische Geschichte, die Kultur und das Volk gegeben.

Voller Begeisterung in meinem Herzen bin ich durch die gemütlichen Wiener Strassen gegangen und konnte nie genug von dieser Schönheit und Herrlichkeit bekommen.

Alles faszinierte mich: diese auffälligen Dächer (haben Sie schon mal bemerkt, das jedes Dach in Wien anders ist, jedes hat eine besondere Verzierung), die reiche Dekoration an den Fassaden, die niedlichen Blumenbeeten, die herumspazierenden (nicht

herumlaufenden!) friedlichen Bürger… alles faszinierte mich.

 by axinia

Besonders schön fand ich die Sprache. Die deutsche Sprache war schon immer attraktiv für mich. Obwohl   das sogenannte Hochdeutsch schon ein bisschen hart klingt. Was jedoch das österreichische Deutsch betrifft und vor allem den berühmten Schönbrunner Dialekt, diesen finde ich sehr weich und gemütlich –   wie die Österreicher selbst.

 Die Fortsetzung in Österreichische Gemütlichkeit … axinia

Eine Antwort schreiben