Verfasst von: axinia in: März 27, 2007
Letzter Aufsatz, Anfang in Österreich: meine große Liebe
von schaufeltrage
Auf diesem schönen Weg geht man noch eine Phase durch, in der man eigene Kultur wieder zu schätzen beginnt.
Eines Tages habe ich erkannt, dass ich doch Russin bin und dass es gar nicht so abgruntiv ist. Durch die Werte einer anderen, österreichischen Kultur habe ich Russland neu gesehen. Gewisser Chauvinismus, den ich hatte ist zum wahren Patriotismus geworden. In Österreich lernte ich wie wichtig die Kultur (Theater, Musik, Literatur) für ein Volk sein kann. Eigentlich ist sie nicht wirklich verbreitet in den Massen Russlands, wobei das Land so reich an Talenten ist. Die Kultur wird mehr von oben, als vom einfachen Volk unterstützt. Das russische Volk schätzt leider seine Talente nicht.
Besonders hat mich das Sommerfest vor dem Rathaus fasziniert: Hunderte Menschen kommen um klassische Musik zu hören! Man hat wirklich Lust auf Kultur in diesem Land!
von martinswelt
In der indischen Philosophie sagt man: “Devotion zum eigenen Land kann sich nur durch das genaue Wissen über alles was um uns ist, entwickeln – die Annerkennung von Heiligen Menschen eigenes Landes, Künstlern und Freiheitskämpfern; die schönsten Blumen und die höchsten Berge; die heiligsten von Tempeln und die großen Beispiele der Architektur”. Jedes Land ist reich an Geschichte, Kultur, Wissenschaft. Man braucht sich nur umzusehen und die ganze Schönheit ist da!
Natürlich muss man realistisch bleiben und nicht nur die schönsten Sachen sehen. Aber auch Probleme richtig zu erkennen kann man nur dann, wenn man in das Ganze nicht involviert ist, wenn man das Spiel des Lebens von außen beobachten kann.
Eigene Wurzeln darf man auf keinen Fall vergessen. Nur durch Schätzung der eigenen Kultur könnnen auch die fremde Kulturen respektiert werden. Der wahre Respekt muss von innen, nicht von außen kommen. Man hört aber immer wieder: „Ja, ich respektiere auch den anderen, aber sie (Russen, Österreicher, Amerikaner, Japaner usw.) sind doch irgendwie blöd”. Ich möchte hier noch einmal betonen, dass alle Prozesse die mit Kultur zu tun haben, tief in unser Unterbewusstsein verlaufen. Nur wenn man es sich bewußt macht, kann man gewisse Sachen positiv sehen und kontrollieren.
Solche Unfähigkeit das Fremde zu akzeptieren sitzt tief im kollektiven Unterbewußten. Ich vermute, woher das Problem “Fremdenhass” kommt: dieses Phänomen haben die Menschen noch von den Tieren geerbt. Ein Tier reagiert auf alles, was fremd ist. Ein Tier spürt eine gewisse Gefahr das von dem Fremden ausgeht, wenn es anders aussieht als das Tier selbst, anders riecht oder sich anders benimmt. Es gibt eine gewisse Logik in der Natur, die den Schutz gewährleistet.
von dedalus11
Die Wissenschaftler wissen heutzutage, daß es in unserem Genom viel Information über ausgestorbene Pflanzen und Tiere gespeichert ist. Wir haben tatsächlich etwas von Tieren und vergleichen unser gemeinsames Verhalten und Aussehen gerne („sie ist aber eine Schlange!” oder „so eine Maus!”).
Die Evolution geht jedoch weiter, und es ist in der Geschichte schon bekannt, dass, wenn wir unseren tierischen Instinkten folgen, es nur zu Zerstörung führt — zu unserer eigenen und auch zu Zerstörung von allem anderen.
Darüber hinaus ist unsere suspekte Haltung zu den Fremden irgendwie natürlich, aber sie hat in Wirklichkeit wenig mit unserer menschlichen Natur zu tun. Und wenn es einmal bewusst ist, dann fällt es einem leicht, sich unter Kontrolle zu halten und positiv auf alles was fremd ist, zu reagieren.
Eine bessere, zivilisiertere Taktik wäre, statt mit Suspekt auf alles Neu mit Neugierde zu reagieren, statt mit diese suspekten ablehnenden Haltung. Sich einfach zu fragen: “Warum sind sie (Österreicher, Russen, Türken, Lebanesen usw.) so anders? Was haben sie, was ich nicht habe? Was kann ich von denen lernen?”.
Man sieht dann die Welt mit offenen Augen und ist fähig, jede Kultur zu bewundern und zu genießen. Und plötzlich versteht man irgendwann, dass es keine schlechten oder guten Kulturen gibt. Jede ist bloß nur anders!
von phitar
Jede Kultur hat mit ihren gesellschaftlichen Normen und Konventionen ein Recht auf Existenz, und man darf nicht sagen, dass gewisse Sitten richtiger und höfflicher als andere sind.
Wenn jemand im Westen die Musik laut spielt, dürfen sich die Nachbarn bei der Polizei beschweren. Menschen wollen eigene Ruhe haben und es ist in Ordnung. Wenn jemand in Asien die Musik laut spielt, dann kommen die Nachbarn und machen einfach mit, tanzen und singen und so ergibt sich von alleine ein fröhliches Fest. Und dies ist auch in Ordnung.
In der westlichen Kultur ist es höflich, beim Sprechen in die Augen des Gesprächspartners zu schauen. In arabischen Ländern und in Japan ist es ein Zeichen der Unhöflichkeit.
In vielen Ländern haben die Menschen die Höflichkeitsform „Sie” und sind beleidigt, wenn sie von wildfremden Menschen mit „Du” angesprochen werden. In Schweden haben sich die Menschen – unabhängig vom Alter und Position – nach einer neuen Reform zu „dutzen” — und es ist höflich!
Im Norden Europas werden es die Menschen vielleicht nicht verstehen, dass es in arabischen Ländern nicht gerne gesehen wird, wenn zu Verhandlungen jüngere Menschen geschickt werden.
Wer hat dann Recht? Welche Kultur hat die richtigen Konventionen?
In Wirklichkeit alle, weil die Länder wie bunte Blumen auf der Mutter Erde alle gleich wunderschön sind! Man muss nur diese Schönheit sehen können und sie erkennen, dann genießen und einfach lieben…
von Supermietzi
Dann braucht man keine interkulturelle Toleranz in sich zu kultivieren und sich selbst überzeugen den anderen zu respektieren.
Man kann dann auch Wunder erleben, wenn z.B. die Eigenschaften eines fremden Landes plötzlich zu den eigenen werden.
Wenn ich mich nicht von den fremden Welten blockiere, werden die neuen interessanten Dinge in mich hineinfließen. So werde ich an Erfahrungen reich, werde besser und weiser. Und liegt der Sinn unseres Lebens nicht in der Selbstverbesserung?
Mir ist es tatsächlich dieses Wunder passiert, dass die österreichische Fähigkeit, alles zu organisieren und zu managen, die ich so bewundert habe, eines Tages auch zu meiner eigenen geworden ist. Auch die Fähigkeit, Ordnung mit Gelassenheit zu kombinieren, habe ich auch von Österreich bereits gelernt. Speziell angestrengt habe ich mich dafür aber nicht!
Es ist wieder die Macht der Liebe – vertraust du ihr, so gibt sie dir alles, habe einfach die Hingabe!
Das ist also mein Rezept zu einer erfolgreichen Integration: offen sein, sich mit den anderen Nationen mischen, nichts kritisieren und auf alles Neue gesunde Neugierde haben; den Wunsch nur unter seinen eigenen Volk zu sein, zu vermeiden, die Sprache, die Geschichte und die Kultur zu erlernen, Sitten und Konventionen zu respektieren (auch wenn einem ganz egal ist, ob man ein Doktor- oder Magister ist, es trotzdem nicht vergessen zu erwähnen, weil es vielleicht in diesem Land wichtig ist) und das Herz für dieses Land zu öffnen!
axinia
von mirage
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